200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München

Akademie der Bildenden Künste München

STANDORT SCHWABING

Wie ihre Vorgängerin, die 1770 gegründete kurfürstliche „Zeichnungs Schule respective Maler- und Bildhauerakademie“, war die Königlich-Bayerische Akademie der bildenden Künste nach ihrer Konstitution im Jahre 1808 zunächst im Wilhelminum untergebracht, dem ehemaligen Jesuitenkolleg in der Neuhauser Straße. Trotz Anbauten mußte die bereits früh beklagte Raumnot mit Nebenstellen ausgeglichen werden, die sich über die Stadt verteilten. Erst in den 1880er Jahren erhielt sie den repräsentativen Neubau, in dem sie sich heute befindet.

Bereits König Ludwig I. hatte einen solchen Neubau erwogen, aber der 1826 vorgelegte Entwurf Friedrich von Gärtners wurde von dessen Gegenspieler Leo von Klenze hintertrieben. Erst als Ferdinand von Miller 1875 im bayerischen Landtag den Antrag stellte, 800 000 Gulden für einen Neubau vorzusehen, begannen erfolgversprechende Vorbereitungen. Die Reparationszahlungen, die Frankreich nach dem verlorenen Krieg von 1870/71 an das Deutsche Reich zu leisten hatte, ermöglichten es schließlich, eine Bausumme von zwei Millionen Gulden einzuplanen.

Eine Debatte um verschiedene Standorte begann, bis Gottfried von Neureuther 1875 mit der Durchführung seines Entwurfs in der Nähe des Siegestors beauftragt wurde. Geldmangel für das auf über 3 Millionen Gulden anwachsende Projekt bewirkte 1880 eine Bauunterbrechung. Da aber eine Petition von 700 Münchner Bürgern der Befürchtung Ausdruck gab, daß "zum Schaden der Stadt sowie des Landes die Kunst aus München und Bayern sich fortzieht", wurden weitere Mittel bewilligt. Am 31. Juli 1886 wurde der Akademie das fertiggestellte Gebäude durch Prinzregent Luitpold übergeben.

Es handelt sich um eine langgestreckte Anlage im Stil der Neorenaissance, mit einem Mittelpavillon sowie vier Eckpavillons an den beiden äußeren Flügelbauten. Vom südlich vorgelagerten Ehrenhof führen eine zentrale Freitreppe sowie zwei geschwungene Auffahrtsrampen unter den markanten Portikus. Das geplante Skulpturenprogramm der Schauseite wurde nicht vollständig ausgeführt, und die dafür vorgesehenen Nischen blieben leer, aber den Mittelbau überragte eine Darstellung der Pallas Athene, die nach der Kriegszerstörung allerdings verloren gegangen ist. Medaillons mit Künstlerportraits und gravierte Steinplatten formulieren mit den Namen berühmter Künstler den kunsthistorischen Kanon der Gründerzeit.

weiter

Wilhelminum

Wilhelminum, Neuhauserstr. © Bay. Landesamt f. Denkmalpfl.

Neureuther-Bau

Der Neureuther-Bau © Münchner Stadtmuseum

Postkarte der Akademie um 1910

Postkarte um 1910